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19. September: 3 Rettungen an einem Tag, 133 Personen in Sicherheit, Crew und Gäste sind wohlauf

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Was ein anstrengender aber erfolgreicher Tag. Um 11:40 Uhr wurde ich auf die Brücke gerufen. Keine 10 Minuten später begann schon die Rettung. 90 Menschen waren auf einem wahnsinnig überfüllten Schlauchboot unterwegs und wir konnten sie zum Glück alle sicher an Bord bringen. Eloy hatte das Boot während seiner Wachschicht gesehen.Als die Rettung noch nicht abgeschlossen war, haben wir dann noch ein zweites Boot in Seenot entdeckt und direkt die zweite Rettung durchgeführt, bei der wir 24 Menschen in Sicherheit bringen konnten. Wir waren wirklich gerade rechtzeitig vor Ort, denn die „Libysche Küstenwache“ war schon am Horizont zu sehen und kam max. 5 min nach der Rettung der Menschen an.Den Nachmittag haben wir dann damit verbracht, unsere Gäste an Bord mit Wasser und Tee zu versorgen.Doch gegen Abend kam dann noch ein Notruf rein. Zum Glück waren wir in der Nähe und konnten auch das dritte Boot sicher retten. Mit den 19 Personen, die wir da gerettet haben, haben wir nun 133 Menschen an…

15. Eintrag: 17. September

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Wir sind heute morgen in unserem Suchgebiet ca. 25 Seemeilen von der Libyschen Küste entfernt angekommen, fahren Patrouille und halten nun besonders intensiv Ausschau nach Booten in Seenot.
Ich hatte heute zwei Wachschichten. Dafür stehen wir zu zweit auf unserem Topdeck und suchen mit Ferngläsern nach einem bestimmten Muster den Horizont ab.
Die erste Schicht hatte ich zum Sonnenaufgang mit Joris, da waren aber leider ein paar Wolken vor der Sonne. Nachmittags hatte ich dann noch eine Schicht mit Richard. In fast 4 Jahren Seenotrettung hat Richard schon viel gesehen und erlebt. Es war sehr spannend mit ihm über Fluchtursachen, Fluchtrouten etc. zu sprechen, er hat schon häufig mit den Geretteten darüber gesprochen wie das alles abläuft. Doch Richard hat dabei auch schon viel erlebt, was man nicht erleben möchte.
Später bei unserer gemeinsamen Kochschicht haben wir uns dann über etwas schönere Dinge unterhalten. Wir haben ghanaische Musik gehört und uns über Ghana, Fußball und Musik ausg…

14. Eintrag: 16. September

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So, nun kann ich euch die letzten Mitglieder unserer Crew vorstellen. Unser Kapitän Joachim, unser Head of Mission Stefan und unser Chief Engineer Simon. Ohne die 3 würde hier gar nichts laufen.Beginnen wir mit der wohl wichtigsten Person an Bord, unserem Kapitän Joachim, mit dem ich gerade die Nachtwache hatte. Joachim lenkt das Schiff und trägt die Verantwortung für die gesamte Mission.
Joachim wohnt mit seiner Frau in Leer/Ostfriesland und ist seit ca. 20 Jahren Seefahrer und seit 2012 Kapitän auf verschiedenen Handelsschiffen gewesen. Für Sea-Eye ist er auf unserem vorherigen Schiff Sea-Eye schon mehrere Missionen gefahren. Auf der ALAN KURDI ist er mit Pause seit Mai und hat auch die Überfahrt von Palermo in die Werft nach Burriana im Juni gelenkt. Er steht voll hinter unserer Sache, was sehr viel wert ist. Joachim ist ein entspannter und sehr sympathischer Typ. Er lässt uns bei vielen Dingen freie Hand und ist offen dafür, dass wir uns einbringen. Trotzdem hat er eine genaue Vorst…

13. Eintrag: 15. September 2020

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Seit heute morgen sind wir in der italienischen SAR-Zone und halten ab jetzt noch genauer und penibler Ausschau. Theoretisch kann uns jederzeit ein Boot in Seenot begegnen auch wenn wir noch sehr nah an Italien und weit von Libyen entfernt sind.
Den Morgen haben wir zur Maintenance genutzt, also vor allem für unsere täglichen Aufgaben. Die Zeit wird immer knapper, da nun mehr Personen im Ausguck sind.
Ich hab aber noch ein bisschen Zeit gefunden, um euch 3 weitere Personen von Bord vorzustellen.
Die restlichen Crew-Mitglieder versuche ich euch dann morgen vorzustellen. Sobald wir eine Rettung durchführen werde ich kaum noch zum Schreiben kommen, da dann unsere ganze Aufmerksamkeit den Gästen und der Suche nach einem Sicheren Hafen gilt. Da lohnt es sich besonders, die Social Media Kanäle von Sea-Eye zu verfolgen. Jonas habe ich zwar erst auf der Fahrt nach Burriana kennengelernt, doch mit ihm verstehe ich mich schon sehr gut und er ist schon jetzt zu einem Freund geworden, auf den ich mi…

12. Eintrag: 14. September

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Heute morgen haben wir ein ausführliches RHIB-Training gemacht. Auf dem offenen Meer nochmal etwas ganz anderes als im Hafen. Es hat wirklich sehr gut funktioniert und wir haben nur noch Kleinigkeiten, die uns auffallen. Nach jedem Training machen wir ein ausführliches Debriefing, bei dem wir alles besprechen, was uns während des Trainings aufgefallen ist
Nachdem ich gestern bis 4 Uhr morgens Nachtschicht hatte, war das echt anstrengend, da ich nur so 3,5h Schlaf hatte. Hab mich dann nach dem Training nochmal 2 Stunden hingelegt, aber so gestückelt ist natürlich nicht optimal. Corvin hat dann netterweise mit mir die heutige Nachtschicht getauscht, sodass ich bis gerade Schicht hatte und nun ins Bett gehen kann.

Corvin kommt aus der Nähe von Köln und ist Feuerwehrmann und Veranstaltungstechniker. Auf der ALAN KURDI ist es seine zweite Mission und so kennt er sich bei vielen Sachen schon aus. Während der Rettung ist er RHIB-Leader bei unserem zweiten RHIB. Als RHIB-Leader hält er Kontakt …

11. Eintrag: 13. September

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Diesen Ausblick hab ich aus den Luken festgehalten. Es ist unglaublich toll auf dem Wasser unterwegs zu sein und ich fühle mich sehr wohl an Bord.Wir kommen der SAR-Zone näher und bereiten uns weiter gut vor. Heute haben wir wieder ein Decktraining gemacht – die Abläufe sitzen mittlerweile sehr gut.
Außerdem haben wir nochmal lange darüber gesprochen, wie wir das Standoff handlen wollen. Wenn wir viele Menschen retten sollten, wird das eine extrem anstrengende Zeit. Ich bin sehr gespannt, wie das wird, auf einmal noch viele Gäste an Bord zu haben und freue mich, die Menschen kennenzulernen.
Zudem haben wir besprochen, wie wir mit der „Libyschen Küstenwache“ umgehen, falls sie uns bedrohen sollte. Dann müssen wir sehr vorsichtig sein. Bei der letzten Mission im April und im vergangenen September kamen sie uns bei Rettungen dazwischen und haben mit ihren Maschinengewehren in die Luft geschossen.
https://www.dw.com/de/sea-eye-alan-kurdi-bei-rettung-von-libyern-bedroht/a-51001228Damit ihr un…

10. Eintrag: 12. September

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Wir sind jetzt seit etwas mehr als einem Tag auf See und es fühlt sich schon viel länger an. Die erste Nacht war sehr entspannt, das Boot ist viel hin und her und hat mich damit in den Schlaf geschaukelt.Heute war Putztag und Waschtag für die Freiwilligen. Putztag bedeutet, dass wir Freiwilligen das Schiff innen gesäubert haben und die professionelle Crew hat die Außendecks geschrubbt. Übrigens besteht die Unterscheidung der Crew wirklich nur in den Aufgaben, ansonsten sind wir eine Crew – das empfinde ich als wirklich sehr schön und das ist mit Sicherheit sehr hilfreich. Auch unser Kapitän Joachim bringt sich viel ein und lässt uns bei vielem freie Hand. Im Ernstfall gibt es aber natürlich eine klare Hierarchie – das ist wichtig und allen klar.
Das Waschen teilen wir uns auf, an manchen Tagen darf die Profi-Crew ihre Wäsche waschen, an anderen (Mittwoch und Samstag) wir Freiwilligen und an wieder anderen werden Handtücher, Lappen etc. gewaschen.
Ich hatte heute gleich zwei Wachen. Da w…